Call for papers
Wissenschaftliches Komitee
Resümees der Vorträge
Programm
Publikation
Bilder
 

 
DIR2011
Von der digitalen zur interkulturellen Revolution
Universität Passau
Prof. Dr. Ursula Reutner
7.-9. Juli 2011
dir@inkup.uni-passau.de
 

Resümees der Vorträge

(Resümees zum Herunterladen)

Kristina Bedijs / Karoline Meyer-Holz (Göttingen)

Informieren und Lenken: Frankoprovenzalisch auf Wikipedia

Die usergenerierte Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt Auskunft über nahezu jedes Schlagwort, so auch über die verschiedenen Sprachen auf dem französischen Territorium, die hier unter dem Stichwort Langues régionales ou minoritaires de France aufgeführt werden.

Hinter den einzelnen Einträgen stecken jedoch nicht zwangsläufig Experten auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft, die objektive, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse präsentieren: im Prinzip kann jeder Internetnutzer seinen Beitrag zu den Artikeln leisten, eine Qualitätskontrolle findet nur innerhalb der Nutzercommunity statt. Da sich die Autoren auch nicht immer namentlich zu erkennen geben, ist die Qualität eines Wikipedia-Artikels für nicht kundige Nutzer oft sehr schwer einzuschätzen. Die Diskussionsseiten vieler Artikel zeigen, dass besonders umstrittene Themen häufig von Interessensgemeinschaften zur Verbreitung subjektiver Inhalte missbraucht werden.

Kontrovers diskutiert werden bis heute die Geschichte und der Status der Regional- und Minderheitensprachen in Frankreich. Die europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen hat der französische Staat bislang noch nicht ratifiziert, sodass die Sprechergemeinschaften selbst und allein für die Bewahrung ihrer Idiome verantwortlich sind. Verschiedene Organisationen, wie die Aliance culturèla arpitana für das Frankoprovenzalische und die Académie de la langue basque für das Baskische, nutzen Wikipedia, um für ihre Ziele zu werben. Dies zeigt sich, wenn man eine genauere Untersuchung der Wikipedia-Artikel vornimmt. Gesicherte linguistische Fakten werden vermengt mit tendenziösen Bestrebungen, den Status der Sprache aufzuwerten und deren Bewahrung zu propagieren.

Häufig werden die Sprecherzahlen, über die es in Wahrheit keine sicheren Erkenntnisse gibt, sehr hoch beziffert. Es folgen ein Lob des kulturellen und literarischen Werts der jeweiligen Sprache und eine Anklage an den französischen Staat, keine Anstrengungen zum Erhalt der Minderheitensprache zu unternehmen. Wissenschaftlichkeit suggerieren die Autoren dabei durch exzessiven Einsatz von Fußnoten, in denen jedoch häufig literarische und populärwissenschaftliche Werke zitiert werden.

In einer Diskursanalyse der Artikel Basque und Francoprovençal wird untersucht, in welchen Bereichen offensichtlich eine Beeinflussung der Nutzer angestrebt wird. Der formale Aufbau der Artikel, die Länge der Unterkapitel, Lexik und Stil spielen hierbei im Vergleich zu Artikeln über anerkannte Standardsprachen eine große Rolle.

Azurmendi, María-José/Martínez de Luna, Iñaki (Hg.) (2005): „ The case of Basque: from the past toward the future“, in: International Journal of the Sociology of Language 174.
Boaglio, Gualtiero (1998): „ Fulvio Tomizza Essayist. Zur Identitätsfindung durch Sprache, Territorialität und Gemeinschaft“, in: Kremnitz, Georg (Hg.): Grenzgänge . Wien: Praesens, 54–67.
Brinker, Klaus (2010): Linguistische Textanalyse , Berlin: Schmidt.
Cerquiglini, Bernard/Alessio, Michel (2003): Les langues de France , Paris: PUF.
Cerquiglini, Bernard, et al. (Hg.) (2000): Tu parles!? Le français dans tous ses états , Paris: Flammarion.
Eichinger, Ludwig M. (1994): „ Sprachliche Kosten-Nutzen-Rechnungen und die Stabilität mehrsprachiger Gemeinschaften. Überlegungen zum Status sprachlicher Minderheiten in Staaten West- und Mitteleuropas“, in: Helfrich, Uta/Riehl, Claudia M. (Hg.): Mehrsprachigkeit in Europa – Hindernis oder Chance , Wilhelmsfeld: Egert, 31–54.
Jäger, Siegfried (2009): Kritische Diskursanalyse , Münster: Unrast.
Keller, Reiner (2008): Wissenssoziologische Diskursanalyse , Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Puolato, Daniela (2006): Francese-italiano, italiano-patois: il bilinguismo in Valle d'Aosta fra realtà e ideología , Bern et al.: Lang.
Tuaillon, Gaston (1997): Le Francoprovençal: progrès d'une définition. Travaux de linguistique et de littérature 10/1, 293–339.

 

Lucia Bolzoni (Augsburg)

Die Rolle neuer Kommunikationsformen in der Wissenschaftskommunikation.
Eine kontrastive Analyse italienischer und französischer Online-Zeitschriften

In seinem berühmten Aufsatz „Struktur, Kultur und intellektueller Stil“, fragte Johan Galtung, ob früher oder später von einem universellen Wissenschaftsstil auszugehen ist. Seine Antwort: „Das glaube ich nicht. Es gibt genügend kulturelle Vielfalt auf der Welt, die zum Teil von Sprachen verschiedenster Art getragen wird, und es gibt genügend Unterschiede in den strukturellen Positionen, sowohl in den Ländern selbst, wie auch zwischen ihnen, die dafür sorgen, dass die Unterschiede der intellektuellen Stile erhalten bleiben […]“ (Galtung 1985: 185).

Heute aber befinden wir uns in einer allmählich fortschreitenden Globalisierung des wissenschaftlichen Marktes, die insbesondere durch die folgenden Faktoren bestimmt ist: (i) die steigende Dominanz des Englischen (vgl. Ammon 2006), die sprachliche Hindernisse teilweise vermindert, und (ii) die neuen digitalen Kommunikationsformen, durch die immer größere räumliche Barrieren überwunden werden können. Vor diesem Hintergrund gewinnen Untersuchungen zum aktuellen Status romanischer Wissenschaftssprachen in der nationalen und internationalen Wissenschaftskommunikation an Bedeutung. Ziel des vorliegenden Beitrags ist daher eine kontrastive Analyse wissenschaftlicher Textproduktion ausgewählter romanischer Sprachräume (Frankreich und Italien), wie sie in Online-Fachzeitschriften erscheint, deren Rolle in der wissenschaftlichen Kommunikation kontinuierlich zunimmt.

Mittels eines korpusbasierten Vergleichs zwischen italienischen und französischen Präsentationsseiten von Online-Zeitschriften aus der Disziplin der Sprachwissenschaft, gilt es zu überprüfen, ob kulturell bedingte Unterschiede zwischen Online-Zeitschriften aus den oben genannten Sprachgemeinschaften festzustellen sind. Insbesondere wird die Analyse die folgenden Aspekte berücksichtigen:

•  die Art und Weise, wie die Zeitschriften sich präsentieren;

•  den Kontakt zu den Lesern;

•  die Textstruktur.

Dabei wird auch die Rolle des Englischen bei der Anpassung von Kulturspezifika an eine universale Wissenschaftskommunikation berücksichtigt und geprüft, ob eine solche Anpassung von den betreffenden Zeitschriften überhaupt beabsichtigt wird.

Galtung, Johan (1985): „Struktur, Kultur und intellektueller Stil. Ein vergleichender Essay über sachsonische, teutonische, gallische und nipponische Wissenschaft“, in: Wierlacher, Alois (Hg.): Das Fremde und das Eigene: Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik , München: Iudicium-Verlag, 151–196.
Ammon, Ulrich (2006): „Sprachpolitische Probleme und Forschungsdesiderate bezüglich der Dominanz von Englisch als Wissenschaftssprache“, in: Calaresu, Emilia/Guardiano, Cristina/Hölker, Klaus (Hg.): Italiano e tedesco come lingue della comunicazione scientifica. Ricognizioni, analisi e prospettive , Berlin: Lit, 15–27.

   

Dominic Busch (Frankfurt Oder)

Das Internet als Kulturalisierungsfalle

Das Internet und seine aktuellsten Verwendungsformen als Internet 2.0, als soziale Netzwerke und als mobiles Internet ermöglichen zusammen eine ungehinderte weltweite Kommunikation zwischen Individuen und Gruppen in Echtzeit, wodurch auch eine quantitative Zunahme interkultureller Begegnungen unterschiedlichster Art im virtuellen Raum zu erwarten ist.

Alternativ kann jedoch auch beobachtet werden, dass sich die Auswirkungen der digitalen Revolution im Hinblick auf den Umgang mit Kultur sowie kulturellen Wandel vornehmlich an anderer Stelle bemerkbar machen: An die Stelle eines immer regeren interkulturellen Austauschs tritt ein Prozess der zunehmenden Kulturalisierung, der kulturellen Abgrenzung und Differenzierung. Schließlich sind virtuelle Anwendungen ausschließlich auf die Generierung von Kommunikationsangeboten und kommunikativen Inhalten angewiesen, allgemein kommt es demnach zunächst zu einer quantitativen Zunahme an Kommunikation. Bereits aus semiotischer Sicht setzt der Umgang mit Kommunikationsangeboten permanente Interpretationsleistungen voraus, durch die letztendlich „Kultur“ generiert und aufrecht erhalten wird. Allgemein könnte demnach angenommen werden, dass sich das Internet zunächst als Kulturproduktionsbeschleuniger bemerkbar macht.

Selbst wenn die entsprechende technische Infrastruktur zum globalen Austausch bereit steht, so hält jedoch höchstens das Wissen über seine Möglichkeit Einzug in die Bestandteile individueller (kultureller) Identitäten, nicht jedoch ihre Nutzung selbst. Kurzum ließe sich somit behaupten, dass sich kulturelle Auswirkungen des Internet vorwiegend in seiner Nutzung innerhalb von Gruppen gemeinsamer kultureller Identität bemerkbar machen, und dass eine solche Nutzung des Internet Bestand kultureller Gruppen stärkt und unterstützt. Das Internet liefert demnach eine längst fällig gewordene technisch adäquate Unterstützung von bereits zuvor begonnenen Prozessen der Deterritorialisierung.

Nicht umsonst verweist John Urry auf die unterschiedlichsten Aspekte räumlicher menschlicher Mobilität, die in ihrer Vielfalt weltweit zunehmend lebensbestimmender zu werden scheinen. Um diesem Wandel gerecht zu werden und um ihn adäquat beschreiben zu können, plädiert Urry für einen von ihm so bezeichneten mobility turn in den Sozialwissenschaften. Anhand unterschiedlichster Beispiele lässt sich dabei zeigen, dass das hier vorgefundene gesteigerte Mobilitätsbedürfnis nur noch mit Hilfe virtueller Kommunikationsmedien auch nur annähernd bedient werden kann – und dass es durch dieses mediale Angebot auch befürwortet wird. Räumliche Ortswechsel erscheinen demnach nur möglich und sinnvoll, wenn sie zuvor und danach qua Kommunikation organisiert, verkündet und besprochen werden, andernfalls liefen sie ins Leere. Das Internet fördert damit den Zusammenhalt von Gruppen, die sich als kulturell definieren – über räumliche Distanzen und Grenzen hinweg.

Interkulturelle Begegnungen und Konfrontationen provoziert die digitale Revolution demnach eher in der Konsequenz im realen als im virtuellen Raum. Auf diese realen Begegnungen sind die teilnehmenden Akteure vielfach weder gefasst noch vorbereitet, potentiell resultierende (interkulturelle) Konfliktlinien werden von der derzeitigen virtuellen Infrastruktur nicht wieder aufgenommen oder katalysiert, so dass Individuen und Gruppen kulturalisiert im realen Raum allein gelassen bleiben.

 

Luisa Conti (Jena)

Vom Reellen ins Virtuelle und zurück: Wege des interkulturellen Dialogs.

Durch die virtuelle Welt haben sich das Verständnis von Raum und Zeit drastisch verändert. Insbesondere hat in den letzten Jahren die Weiterentwicklung des vorher ein-direktionalen, statischen Internet zum bidirektionalen, dynamischen so genannten Web 2.0, aus diesem virtuellen Medium einen echten virtuellen Raum gemacht (O'Really 2005). In diesem Raum kann jeder User selbst Akteur werden und mit anderen je nach Typ der Webanwendung (Forum, Blog, Wiki, etc.) in unterschiedlicher Form interagieren. Die zu Anfang noch weitgehend textbasierte Kommunikation ist heute durch u.a. Audio- und Videoanwendungen so stark erweitert, dass die Unterschiede zur face-to-face Kommunikation sich zunehmend verringert haben. Asynchrone Medien wie E-Mail oder Foren werden dabei sukzessive durch synchrone, wie VoIP, Instant-messaging und Videokonferenz ergänzt.

Der Gestaltung http-basierter Plattformen, die verschiedene dieser Möglichkeiten auf unterschiedliche Weise verknüpfen, sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die so ermöglichte Interaktivität schafft den Raum für interkulturelles Lernen, wobei das Entstehen von Interkulturalität und damit eine neue, gemeinsame Kulturalität (vgl. Rathje 2006) begünstigt wird. Auf diese Weise können über große räumliche Distanzen hinweg Erfahrungen in der Interaktion mit Menschen gesammelt werden, die scheinbar oder tatsächlich unterschiedlichen Kulturen angehören (vgl. Conti 2010), wobei die Chance besteht, bisherige (Massen-)medial vermittelte oder gesellschaftlich tradierte Schemata und Fremdbilder zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Je nach persönlicher Disposition und Motivationslage kann der so entstehende Dialog eher kognitiv (auf ein besseres Verständnis abzielend) oder affektiv (auf ein verbindendes Erlebnis abzielend) ausgerichtet sein. Die gemachte Erfahrungen werden von den Akteure wieder mit in ihre alltägliche Lebenswelt genommen. Sie fungieren dabei potentiell als Multiplikatoren, die die etablierten Fremdbilder aufweichen und die Wahrnehmung verändern können.

Die technischen Möglichkeiten zur Schaffung von für den interkulturellen Dialog geeigneten Räumen sind bereits gegeben. Im Mittelpunkt steht hier also die Frage: Wie können die unterschiedlichen Akteure optimal unterstützt werden und welche Voraussetzungen sind nötig damit der Dialog, als Erfahrung des Anderen, zu Stande kommt?

Unter anderem wird diese Fragestellung im Rahmen der Studie „Virtuelle Räume für den Interkulturellen Dialog“ untersucht, deren relevanteste Ergebnisse in der Konferenz präsentiert und zur Debatte gestellt werden können.

Rathje, Stefanie (2006): „Interkulturelle Kompetenz – Zustand und Zukunft eines umstrittenen Konzepts“, in: ZIF 3, 1–15, http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-11-3/beitrag/Rathje1.htm .
Conti, Luisa (2010): „Vom interkulturellen zum transkulturellen Dialog : Ein Perspektivenwechsel“, in: Hühn, Melanie/Lerp, Dörte/Petzold, Knut/Stock, Miriam (Hg.): Transkulturalität, Transnationalität, Transstaatlichkeit, Translokalität. Theoretische und empirische Begriffsbestimmungen , Berlin et al.: Lit Verlag, 173 – 190.
O'Reilly, Tim (2005): What is Web 2.0. Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software , http://oreilly.com/web2/archive/what - is - web - 20.html.

 

Eva Martha Eckkrammer (Mannheim)

Kulturelle Konventionen im Medienwechsel: kontrastiv-textologische Befunde zur digitalen Revolution

Bisherige textlinguistische Forschungsarbeiten haben deutlich aufgezeigt, dass kommunikative Handlungsmuster nicht nur kultur- und zeitgebunden sind, sondern sich durch Kulturkontakt sowie auf der Zeitlinie nur relativ schwerfällig verändern. Katalysatorische Effekte sind jedoch vor allem in Phasen medialer Wechsel nachvollziehbar, d.h. in Zeitfenstern, in denen sich fundamentale Verschiebungen in den Funktionsgefügen der kommunikativen Haushalte ergeben. Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist demgemäß der genaue Effekt des aktuellen Medienwechsels auf den alltäglichen Textkosmos. Dabei wird zwischen den Einflüssen neuer Kommunikationsformen im digitalen Umfeld und der funktional äquivalenten Reproduktion vorhandener Kommunikationsprodukte genau unterschieden und versucht, ein Wandelszenario theoretisch wie empirisch abzubilden. Neben einer konzeptuellen Weiterentwicklung des theoretischen und methodischen Rahmens kontrastiver Untersuchungen im intermedialen Bereich wird auf Ergebnisse aus der ersten Dekade einer digitalen Breitenkommunikation via Internet zurückgegriffen, um diese eineinhalb Dekaden später zu reevaluieren. Daran soll nicht zuletzt die Virulenz des Wandelprozesses ablesbar werden, der auch die funktionalen Gefüge der Textsorten nicht unberührt lässt, u.a. bei social media und instant messaging .

 

Doris Fetscher (Zwickau)

Wie manifestiert sich Interkulturelle Kommunikation im virtuellen Raum?

In den Jahren 2003 bis 2006 führten wir am Lehrstuhl für Deutsche Philologie/Deutsch als Fremdsprache der Universität Augsburg zahlreiche virtuelle und semivirtuelle Seminare durch. Die Seminare setzten sich aus 70 % internationalen und 30 % deutschen Studierenden zusammen. Außerdem führten wir zwei virtuelle Projekte gemeinsam mit Studierenden der Universität Modena (Italien) und der Hochschule für Übersetzung in Seoul durch. Für die Projektseminare hatten wir eine eigene Plattform entwickelt, die sowohl einen Chat, ein Forum als auch kollaboratives Schreiben ermöglichte. In dieser Arbeit wurde uns schnell klar, dass sich Probleme interkultureller Kommunikation auch im virtuellen Raum manifestieren. Wir konnten zahlreiche Beispiele „virtueller critical incidents “ identifizieren.

Seit der Durchführung unserer Projekte hat sich die Nutzung des Internet erneut stark verändert. Anwendungen wie Studi-VZ, Facebook und Twitter werden heute vor allem in der Freizeit weltweit und alltäglich genutzt. Es ist davon auszugehen, dass die große Dynamik, die mannigfaltigen Nutzungsmöglichkeiten und Funktionen virtueller interkultureller Kommunikationsräume auch äußerst unterschiedliche Anpassungsprozesse generieren. In qualitativen Interviews mit Nutzern aus dem asiatischen Kulturraum, die in Deutschland leben und im universitären Kontext arbeiten, möchte ich mich dem Forschungsfeld erneut annähern. Unter anderem möchte ich die Nutzer mit Beispielen interkultureller Missverständnisse aus den oben dargestellten Projekten konfrontieren und damit Narrationen über mögliche critical incidents in ihrer eigenen virtuellen Kommunikation generieren. Die übergreifende Forschungsfrage dabei lautet: Verändert die regelmäßige mehrsprachige Kommunikation oder Kommunikation in einer Lingua Franca im virtuellen, interkulturellen Raum kulturgebundene Kommunikationsroutinen und falls ja, inwiefern?

 

Petia Genkova (Passau)

Ist Kultur virtuell erkennbar? Einflussvariablen der Interkulturellen Kommunikation bei virtuellen Teams

Im Fokus dieser Studie steht die Frage nach der Erkennbarkeit generalisierbarer Kommunikationsmuster bei der virtuellen Kommunikation innerhalb interkultureller Teams. Wenn Menschen zusammenarbeiten, wird dies immer von äußeren Faktoren beeinflusst. Während herkömmliche Arbeitsgruppen von organisatorischen, psychologischen und ökonomischen Aspekten beeinflusst werden, kommen für räumlich getrennte Teams durch die Abhängigkeit von Kommunikationsmedien außerdem noch technologische Einflüsse hinzu. Durch diesen Unterschied in der Präsenz kann bei der Kommunikation folglich nicht, wie bei der face-to-face Interaktion, über alle Kanäle verfügt werden. Die Kommunikation findet kanalreduziert statt. In der verteilten Kollaboration sind virtuelle Teams auf technisch vermittelte Kommunikation angewiesen. Diese Art der Zusammenarbeit hat den enormen Vorteil, dass international verteiltes Fachwissen und Kompetenzen aufgabenorientiert gebündelt werden können. Dadurch dass sich solche Teams nie bzw. selten FTF treffen, können jedoch auch Nachteile entstehen.

Bisher liegen keine eindeutigen Ergebnisse darüber vor, in welcher Weise in diesem Fall die Technik die Kommunikation verändert. Man geht davon aus, dass die Zusammenarbeit in virtuellen Teams zwar kommunikationsintensiver ist als die in herkömmlichen Teams, dass sie jedoch gleichzeitig auch defizitär ist. Insbesondere bei sozioemotionalen Kommunikationsaufgaben, wie z.B. Teambuilding, sind Defizite zu finden. Auch in Bezug auf die Bearbeitung von Aufgaben wird die Kommunikation von der Technik eingeschränkt. Kreatives Zusammenarbeiten an einem Objekt mithilfe von Gestiken in der Luft etc. sowie das gemeinsame Bearbeiten eines handschriftlichen Dokuments ist nicht mühelos möglich .

Die Studie stellt die Problemfelder und die Selbst- und Fremdwahrnehmung in interkulturellen virtuellen Teams in einem großen deutschen Unternehmen und einem Tochterunternehmen in den USA dar. Es werden drei zentrale Fragestellungen untersucht. Erstens: Was ist der Ist- Zustand der Kommunikation zwischen den Teams in beiden Unternehmen unter der besonderen Berücksichtung der virtuellen Kommunikation? Es wurden mehrere Dimensionen der virtuellen Kommunikation und der Teambildung evaluaiert. Zu diesem Zweck wurde ein Methodenmix von quantitiaven und qualitativen Methoden benutzt. Aufbauend darauf wurden zweitens mehrere Konfliktfelder und die Selbst- und Fremdwahrnehmung in interkulturellen virtuellen Teams identifiziert und diagnostiziert (qualitativ und quantitativ). Drittens wurden im Rahmen von praxisbezogener Personalentwicklungsmassnahmen mehrere Maßnahmen und Handlungsimplikationen erarbeitet, um die Prädiktoren einer erfolgreichen, virtuellen und interkulturellen Kommunikation zu ermitteln und eine gezielte Förderung einzusetzen (quantitativ, T-Test, Regressionsanalysen). Die Ergebnisse werden in Bezug auf die Generalisierbarkeit und externe und interne Validität kritisch analysiert. Die Praktibilität als eines der wichtigsten Güterkriterien im Bereich der Organisationspsychologie wird kritisch diskutiert.

 

Evelyne Glaser (Linz)

Interaktion im virtuellen Raum: Wie können multikulturelle Teams lernen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen?

Die globale Vernetzung von Unternehmen erfordert eine intensive Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Unternehmensstandorten sowie einen raschen Wissenstransfer unter Führungskräften und Mitarbeitern. Mitarbeiter sind deshalb immer mehr gefordert, Lösungsvorschläge für Probleme über geographische und kulturelle Grenzen hinweg in virtuellen Teams zu erarbeiten. Dabei entstehen häufig Konflikte, welche die Leistung der Teams erheblich beeinflussen. Kulturelle Unterschiede stellen nicht die alleinige Ursache für Konflikte in virtuellen oder semi-virtuellen Teams dar, aber sie können wesentlich dazu beitragen, dass Konflikte in ihren Ursprüngen nicht früh genug erkannt werden und sich deshalb verstärken. Die negativen Folgen zeigen sich in der mangelnden Kooperationsbereitschaft unter den Teammitgliedern, in persönlicher Demotivation und oft nur sehr durchschnittlichen Erfolgen beim Lösen von gestellten Aufgaben. Es stellt sich daher die Frage, ob es möglich ist, die Studierenden an Universitäten so weit für die Praxis vorzubereiten, dass sie im späteren Berufsleben in multikulturellen virtuellen Teams erfolgreich arbeiten können.

Als Ursachen für Konflikte in multikulturellen virtuellen Teams hat die Forschung unter anderem Unterschiede im Kommunikationsverhalten und in der Sprache sowie ungleiche Machtverhältnisse oder mangelndes Vertrauen unter den Teammitgliedern diagnostiziert. Vielfach wird die Unfähigkeit, Vertrauen aufzubauen, auf die geographische Entfernung und den mangelnden persönlichen Kontakt zurückgeführt. Dies ist umso verwunderlicher, da sich die technologischen Voraussetzungen für die Interaktion zwischen den Teammitgliedern in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben. Es stehen als Kommunikationsmittel nicht mehr ausschließlich E-Mail oder Videokonferenzen, sondern auch Werkzeuge wie Google groups, Google docs oder Skype zur Verfügung, welche es den Teams ermöglichen, ihre Projekte kostenfrei auch mittels synchroner Bildübertragung zu besprechen oder gemeinsam elektronisch zu bearbeiten.

In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer qualitativen Langzeitstudie vorgestellt, welche im universitären Umfeld zwischen 2004 und 2010 durchgeführt wurde. Daran waren Studierende der Betriebswirtschaft aus den USA und aus Europa beteiligt, die in semi-virtuellen Teams im Rahmen eines Seminars zum Thema Teamarbeit über ein Semester lang an gemeinsamen Aufgaben arbeiteten und gleichzeitig über ihre Teamerfahrungen sowohl mündlich als auch schriftlich reflektierten.

Obwohl im Seminar insbesondere jene Themenbereiche diskutiert wurden, die auch in der Literatur als wichtige Problemfelder in multikulturellen virtuellen Teams ihren Niederschlag gefunden haben, stellte sich heraus, dass ein theoretischen Wissen über mögliche Konflikursachen nicht ausreichte, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Als besonders schwierig empfanden es die Studierenden, über kulturelle und räumliche Grenzen hinweg ihre Bedürfnisse und Wünsche hinsichtlich einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Team kulturadäquat zu kommunizieren und somit ein Arbeitsklima zu schaffen, das zu einem ursprünglich von allen angestrebten positiven Ergebnis führte.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse zeigen, dass multikulturelle virtuelle Teams mehrere Lernprozesse durchlaufen müssen, ehe die positiven Synergieeffekte eintreten können, welche sich die Wirtschaft beim Einsatz solcher Teams wünscht.

 

Dirk Heckmann ( Passau )

Smart Life - Dumb Law? Die Rolle des Rechts nach der digitalen Revolution

Smartphones, Smart Metering, Smart Home Networks – unsere Welt wird immer smarter. Neue Medien und innovative Technologien erleichtern den Alltag, nutzen im beruflichen und gesellschaftlichen Leben und werden dankbar angenommen. Die damit verbundene Erosion der Privatsphäre wird nur teilweise erkannt und verdrängt. Der Vortrag wird am Beispiel technischer Innovationen zeigen, dass das Recht seine Bewahrungs- und Steuerungsfunktion zunehmend verliert und abgelöst wird durch Steuerungsmechanismen der Technik, der Ökonomie und des Zufalls. Diese Entwicklung vollzieht sich primär als globales Phänomen, zeigt zeitweise aber auch landesspezifische Ausprägungen, die im Vortrag mit angesprochen werden.

 

Thomas Knieper (Passau) / Andreas Graf (Braunschweig)

Markenführung im digitalen Zeitalter einer globalen Welt

Die Welt wächst zusammen. Globale Handelsströme bestimmen den interregionalen Warenhandel. Aber längst nicht nur Konsumgüter werden interregional vertrieben, auch Dienstleistungen überwinden zunehmend Landesgrenzen, Regionen und Kulturkreise.

Unter den 4 Ps des Marketings (Product, Price, Place und Promotion) gewinnt die Kommunikationspolitik (Promotion) zunehmend an Bedeutung, da insbesondere sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Kulturräume erkennen und berücksichtigen muss. Zudem sollte beachtet werden, dass sich die Kommunikationspolitik hierbei nicht nur auf die klassischen Facetten der öffentlichen Kommunikation beschränken darf, sondern auch Namensgebung, Logogestaltung sowie Verpackungs- und Produktdesign einschließlich kulturspezifischer Präferenzen, Assoziationen, Konnotate und Decodierungen mitdenken muss. Missverständnisse, Pannen oder Fehler bei der globalen Markenführung werden umgehend öffentlich und in der virtuellen Welt ausgiebig thematisiert, diskutiert und gegebenenfalls weltweit viral verbreitet werden. Mögliche Folge kann die Stigmatisierung eines Produkts und/oder einer Marke sein. Insbesondere in der Online-Welt ist eine Schadensbegrenzung nur durch einen sofortigen, authentischen, ehrlichen und auf Augenhöhe mit den Nutzern geführten Dialog möglich. Zur Analyse der Ausgangssituation ist hierbei eine ikonologische Kontextanalyse hilfreich. Freilich ist es besser, mögliche Akzeptanzprobleme, Pannen oder gar Krisen im Vorfeld gänzlich zu vermeiden. Mindestvoraussetzung hierfür ist eine solide Kenntnis der kulturellen Besonderheiten im interkulturellen Absatzmarkt und eine systematische Recherche zur Schließung etwaiger Wissenslücken.

Ziel des Vortrags ist die Erstellung einer ersten Checkliste für ein erfolgreiches globales Marketing im Spannungsfeld der Interkulturalität und der Digitalität. Hierbei wird sowohl eine prospektive Perspektive (etwa Produktneueinführung) als auch eine retrospektive Perspektive (etwa Krisenmanagement durch globales Retromarketing) eingenommen.

 

Beatrix Kreß (Hildesheim)

„Der Präsident Russlands an seine Bürger im Schulalter“ – Stilisierungs- und Inszenierungsmuster der Demokratie und politischen Partizipation in der Webpräsenz des russischen Präsidenten

Politische Kommunikation ist seit den 1990er Jahren im Medium Internet angekommen. Politiker und Parteien zeigen sich dabei – wie Klemm (2007: 145) es ausdrückt – als „Medienopportunisten“: „Wenn neue Kommunikationsformen an Popularität in der Wählerschaft gewinnen, werden sie – mehr oder weniger gelungen – ins Repertoire aufgenommen.“ Dabei stellt die relativ statische Homepage im Vergleich zu Blog, Twitter oder Facebook fast schon eine veraltete mediale Ausdrucksform des „Politainments“ (Dörner 2001) dar. Gerade persönliche Webseiten bestehen jedoch immer noch als ein verlockendes Medium zur Imagekonstruktion politischer Akteure, denn hier können sie frei von unerwünschten journalistischen Eingriff PR in eigener Sache betreiben. Zahlreiche prominente Politiker begnügen sich dabei nicht mit einer Webseite für den potentiellen erwachsenen Wähler, sondern bieten auch rezipientengerechte Seiten für Kinder und Jugendliche. Während die Webseiten des deutschen Präsidenten, die sich an Kinder richten, wenig ausgearbeitet sind und sich die deutsche Kanzlerin an bereits politisch interessierte Teenager wendet, stehen auf der Internetpräsenz des Kremls bzw. des russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew unter dem Titel “Der Präsident Russlands an seine Bürger im Schulalter” speziell auf Kinder im Alter zwischen etwa zehn und zwölf Jahren zugeschnittene Seiten zur Verfügung, die deutlich geprägt sind von einem erzieherischen Auftrag zum “guten” Staatsbürger. Sowohl auf verbaler wie auch auf audiovisueller Ebene finden sich zahlreiche Strategien, die mit Hilfe des Stilisierungs- und Inszenierungsbegriffs (vgl. Spiegel 1997, 2002) beschrieben werden können. Stilisierungen verlaufen dabei auf der Basis gesellschaftlich anerkannter Topoi, auf die in der Selbstdarstellung zurückgegriffen wird, Inszenierungen stellen das Zusammenspiel unterschiedlichster Stilisierungsmuster dar. Aus kulturkontrastiver Perspektive fallen auf den Webseiten von Dmitirij Medwedew einerseits das Bemühen um ein demokratisches Erscheinungsbild ins Auge, das insbesondere auf verbaler Ebene inszeniert wird, andererseits wird – vor allem in der bildlichen Ausgestaltung – auf eine Metaphorik zurückgegriffen, die aus der schulischen und häuslichen Erlebniswelt der Kinder (der Staat als guter oder auch strafender Vater) abgeleitet wird und der demokratischen Inszenierung entgegensteht. Deutlich wird so nicht nur ein bestimmtes Demokratieverständnis, sondern auch – gerade im Vergleich zu entsprechenden deutschsprachigen Seiten – ein kulturspezifischer Stil im Umgang mit heranwachsenden Staatsbürgern und potentiellen zukünftigen Wählern.

Dörner, Andreas (2001): Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft , Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Klemm, Michael (2007): „Der Politiker als Privatmensch. Wie Spitzenpolitiker auf persönlichen Websites in Text und Bild ihr Image konstruieren (wollen)“, in: Habscheid, Stephan / Klemm, Michael (Hg.): Sprachhandeln und Medienstrukturen in der politischen Kommunikation (Reihe Germanistische Linguistik 279), Tübingen: Niemeyer, 145-175.
Spiegel, Carmen (1997): „Selbst- und Fremdstilisierung in umweltpolitischen Auseinandersetzungen“, in: Selting, Margret/Sandig, Barbara (Hg.): Sprech- und Gesprächsstile , Berlin/New York: de Gruyter, 286-317.
Spiegel, Carmen (2002): „Identitätskonzepte – Individualitätskonturierungen. Zur schrittweisen Herausbildung von Identität bei Jugendlichen in der institutionellen Interaktionssituation ‘Deutschunterricht'“, in: Keim, Inken/Schütte, Wilfried (Hg.): Soziale Welten und kommunikative Stile. Festschrift für Werner Kallmeyer zum 60. Geburtstag , Tübingen: Narr, 513-536.

 

Franz Lehner (Passau)

Wissensmanagementprojekt Deutschland-Indien: Modelle des Knowhow-Transfers zwischen Stuttgart und Pune

In diesem Beitrag werden anhand eines konkreten Wissensmanagementprojektes die erfolgreiche Ausgestaltung von Wissenstransferprozessen zwischen Deutschland und Indien am Beispiel eines Unternehmens der Automobilindustrie reflektiert. Der besondere Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung eines systematischen Know-how-Transfer-Modells, um so die erfolgreiche Umsetzung in ähnlich gelagerten Situationen sicherzustellen. Für das genauere Verständnis von Prozessen des Wissenstransfers werden zunächst die aus der Literatur bekannten Modelle analysiert, welche die wesentlichen Merkmale des Wissenstransfers abzubilden versuchen. Ein besonderes Interesse gilt dabei auch den (inter)kulturellen Besonderheiten. Der hauptsächliche Mehrwert von Wissenstransfermodellen liegt darin, dass sie eine Ableitung von zielgerichteten Maßnahmen zur Gestaltung des Wissenstransfers (z.B. in Form von Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikationssituationen in Unternehmen oder in Form von Implikationen für das Management) ermöglichen. Aktuell kommt es bei der Verlagerung von Entwicklungsaufgaben von Deutschland nach Indien häufig zu Schwierigkeiten in der Abstimmung zwischen den betroffenen Standorten, da die indischen Mitarbeiter (hauptsächlich fachlich gut ausgebildete indische Ingenieure) firmenspezifisches Produkt- und Methodenwissen nicht oder nur unzureichend beherrschen. Die Arbeitsergebnisse sind dementsprechend fehlerbehaftet, sodass sich dadurch der Aufwand auf der Auftraggeberseite erhöht. Außerdem ist die Fluktuation am indischen Standort aus europäischer Sichtweise relativ hoch. In Verbindung mit einer Analyse vor Ort (in Pune, Indien) wird aufbauend auf die identifizierten Transfermodelle ein modifiziertes Modell entwickelt und vorgeschlagen, das die Besonderheiten der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien berücksichtigt.

 

Annette Lühken (Gießen)

Kulturspezifische Besonderheiten in der Gestaltung von Internetseiten – exemplarische Analysen der Modellseiten von Peugeot, Renault und Citroën

Durch die weltweite Vernetzung des Internets und die dadurch generell unbeschränkten Zugangsmöglichkeiten für Internetnutzer verschiedener Kulturen ist die Kenntnis kultureller Unterschiede notwendig, um sprachliche und kulturelle Barrieren beachten und Missverständnisse und Normverletzungen vermeiden zu können. Darüber hinaus ist die gewünschte Perzeption der Werbung nur dann zu erreichen, wenn sie auf die Zielgruppe abgestimmt ist. Es besteht für die Werbetreibenden die Notwendigkeit, ja sogar die Verpflichtung, Charakteristika der jeweiligen Kulturen bei der Gestaltung ihrer Website positiv zu nutzen, damit im Empfänger der Botschaft Interesse für das Produkt entwickelt und der Kaufwunsch erzeugt werden kann. Jedoch wird durch die zunehmende Globalisierung dieser Erkenntnis nicht immer Rechnung getragen und Internetseiten werden für verschiedene Märkte oft nur übersetzt, aber nicht an den jeweiligen kulturellen Code angepasst.

Frankreich ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern erst stark verspätet in das Internetzeitalter gestartet, was sich in der Gestaltung und der Informationsvernetzung der im Zeitraum von 2004 bis 2007 untersuchten Internetseiten deutlich widerspiegelte.

Standen bei der Analyse der Internetauftritte1 der drei französischen Automobilhersteller primär sprachwissenschaftliche Aspekte im Vordergrund, so darf der Blick auf kulturelle Spezifika, die linguistische Besonderheiten bedingen, dennoch nicht fehlen. Aufgrund des hohen Bildanteils, über den auch kulturelle Identifikationen laufen, sollte die linguistische Analyse durch eine kulturwissenschaftliche Einbettung ergänzt werden. Hierbei geht es nicht nur um visuelle Bilder, sondern auch um die Imaginationen und Emotionen, die als Bilder in den Köpfen der Rezipienten aufgrund sprachlicher Strategien entstehen können.

Die Begründung der vorwiegend emotionalen Werbung, die in den Analysen festgestellt werden konnte, liegt in der Wertorientierung der Franzosen in Bezug auf das Automobil, die kulturspezifisch ist und sich von Deutschland deutlich unterscheidet.

Die in allen Modellbeschreibungen konstatierte Personifizierung der Fahrzeuge bestätigt die Feststellung von Barmeyer2, wonach in Frankreich das Auto als kulturelles Symbol verstanden wird und bereits in der Werbung in den klassischen Medien eine starke Personifizierung erfuhr. Hier zeigt sich eine gewisse „Werbetradition“.

Betrachtet man die Farbgestaltung der Websites, so ist generell nicht von einer kulturspezifischen Anpassung an die Bedeutung einer Farbe auszugehen, sondern von der Beibehaltung traditioneller Farbgebung je Unternehmen zur Aufrechterhaltung der Corporate Identity .

Bei der Auswahl der Bilder ist wiederum deutlich eine Kulturspezifika erkennbar. Werden keine neutralen Bildhintergründe verwendet, so sind alle anderen Umgebungen „irgendwo in Frankreich“ möglich. Es wird mit Stereotypen gearbeitet, die aber der kulturellen Identifikation dienen.

Im vorliegenden Beitrag soll eine exemplarische Analyse aktueller französischer Automobilwerbung im Internet in Bezug auf die bereits beschriebenen kulturellen Spezifika vorgestellt werden, um mögliche Veränderungen in den Werbeauftritten aufzuzeigen. Im Hinblick auf die festgestellte Tendenz zu globalisierten Strategien der Werbetreibenden erfolgt zudem ein Vergleich mit aktuellen Internetseiten der drei Automobilhersteller für deutsche und spanische Interessenten.

 

Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken)

Intellektuelle im Cyber(e)space. Formen, Funktionen und interkulturelle Dimensionen des intellektuellen Diskurses in Zeiten von Rue 89 und Arrêt sur images

Die Figur des Intellektuellen, die seit dem Aufklärungszeitalter und der Französischen Revolution in der französischen Kultur eine herausragende Rolle einnimmt, hat in den letzten 30 Jahren in Frankreich, aber auch im globalen Kontext, vor allem durch zwei Entwicklungsprozesse grundlegende Veränderungen erfahren: zum einen durch die Entwicklung vom „Intellectuel universel“ zum „Intellectuel spécialisé“ (Foucault), der in der Medienöffentlichkeit tendenziell eine ähnliche Funktion einzunehmen beginnt wie der ‚Experte'; und zum anderen durch die Bildschirmmedien, die dem intellektuellen Diskurs neue Rhetorik- und Interventionsformen auferlegt haben, die medienwirksame Intellektuelle wie Bernard-Henri Lévy in ebenso geschickter wie umstrittener Weise einsetzen. Die Entstehung und rapide Ausbreitung des Internet haben dem zweiten Entwicklungsprozess eine völlig neue Dimension gegeben, die im Zentrum des vorgeschlagenen Vortrags stehen soll. Am Beispiel vor allem der französischen Internet-Informationsplattformen Rue 89 (die von ehemaligen Journalisten von Libération gegründet wurde) und Arrêt sur images (an dessen Entwicklung auch Pierre Bourdieu mitwirkte) soll erstens untersucht werden, welche Rolle Intellektuelle im traditionellen Sinn des Begriffs (als „Schöpfer und Verbreiter gesamtgesellschaftlichen Orientierungswissens“ und zugleich als Kritiker tradierter Normensysteme und Ideologien) im Cyberespace francophone spielen; zweitens, inwieweit sich ihre rhetorischen und diskursiven Interventionsformen dem Medium Internet angepasst haben bzw. an tradierte Gattungs- und Rhetorikmuster (wie die des Manifests) anknüpfen und diese medienspezifisch transformieren; und drittens, inwieweit das Medium Internet der interkulturellen Dimension intellektueller Diskurse, insbesondere der Berichterstattung über andere Kulturen und Kulturräume, neue Dimensionen erschlossen hat. Ein Schlussteil des Vortrags soll komparatistischen Gesichtspunkten gewidmet sein und kulturelle Spezifika sowie interkulturelle Unterschiede zwischen intellektuellen Internet-Diskursen in Frankreich im Vergleich zu ähnlichen Phänomenen in Deutschland, Kanada und den USA in Grundzügen und thesenartig aufzeigen.

Michel Foucault (1984) : „ L' intellectuel et les pouvoirs “, in: Dits et écrits IV (1994), Paris: Suhrkamp, 747–752.
Jean-Marie Goulemot (2009): „ L'invention de la figure de l'intellectuel engagé“, in: Le Monde , 13. November 2009 .
Helene Harth: (1984): „Les Intellectuels. Zur Rollendefinition eines modernen Sozialtypus“, in: Jürgen Sieß (Hg.): Widerstand, Flucht, Kollaboration. Literarische Intelligenz und Politik in Frankreich , Frankfurt a.M./New York: Campus, 200–218.

 

Prof. Dr. Alois Moosmüller (München)

Digitale Diasporas. Die Suche nach Identität und Anerkennung in virtuellen Räumen

Resümee wird nachgereicht.

 

Daniela Pietrini (Heidelberg)

Von den “amici di penna” zu den „amiche di mouse“ : Die sprachliche Konstruktion der virtuellen Freundschaft

Chat, social Networks, Internetforen und Singlebörsen zum Flirten, Daten und um Gleichgesinnte bzw. sogar Lebenspartner zu finden, liegen einer richtigen kulturellen Revolution zugrunde, die nun auch die intimsten Gefühlssphären der Liebe und der Freundschaft betrifft. Obwohl das Phänomen der Fernfreundschaft gar nicht so neu ist (man denke an die Brieffreunde der guten alten Schulzeit, mit denen man im Briefwechsel stand, hauptsächlich um die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern), hat es heutzutage, dank der digitalen Revolution, unerhört an Umfang und Tragweite zugenommen. Der „traditionelle“ Kreis der alten, dicksten Familien-, Schul- und Kindheitsfreunde wird gegenwärtig täglich um neue “virtuelle” Freunde erweitert. Man „trifft“ sie online, man kennt deren Hobbys, ihre kulinarische und musikalische Vorlieben, ihre geheimste Abneigungen und, durch die mittlerweile gängige Praxis des „Sharing“ („Teilens“) von Bildmaterial jeglicher Art, sogar ihre Kuscheltiere, Schlafanzüge, Urlaubsziele und Rumpelkammern. Manchmal gewinnt das wahre Leben früher oder später die Oberhand und man trifft sich „wirklich“ (Angesicht zu Angesicht), meistens ist aber die Freundschaft dazu bestimmt, “virtuell” zu bleiben, ohne deswegen weniger tief und aufrichtig sein zu müssen.

In diesem Beitrag werden Formen und sprachliche Mechanismen der virtuellen Freundschaft untersucht. Die Analyse basiert auf einem Korpus aus zahlreichen Einträgen (“Posts”), die im Rahmen eines Internetforums (http://luglioline2007.forumup.it) von 577 (jungen) italienischen Müttern, die sich ausschließlich online kennen gelernt haben und mittlerweile seit bereits vier Jahren „virtuell befreundet“ sind, verfasst und veröffentlicht worden sind. Im Mittelpunkt der linguistischen Analyse stehen die Besonderheiten einiger der folgenden Aspekte der virtuellen Freundschaft: Identitätskonstruktion und Selbsterzählung; Solidarität und Anteilnahme; Austausch von Alltagserfahrungen; Unstimmigkeiten und Streit; Komplimente, Geheimnisse, Klatsch und Tratsch; Gruppenselbstbewusstsein.

 

Nadine Rentel (Wien)

Emotionalität in italienischen und deutschen SMS. Eine korpusbasierte Analyse

Textlinguistische Untersuchungen zu neuen Formen der Kommunikation sind nicht neu. Aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen war es jedoch bisher nicht möglich, quantitative Auswertungen anhand eines größeren Korpus authentischer Textexemplare durchzuführen, da SMS die Eigenschaft haben, flüchtig zu sein und allenfalls für einen begrenzten Zeitraum auf dem Handy des jeweiligen Empfängers gespeichert werden können. In bestehenden Untersuchungen für das Deutsche und das Italienische ist der Kreis der Kommunikationspartner begrenzt, teilweise haben diese an der Datenerfassung durch das Protokollieren der eigenen Sprachproduktion aktiv mitgewirkt. Dies ruft gleich mehrere Probleme hervor: Der Individual- bzw. Gruppenstil lässt sich nicht ohne Weiteres verallgemeinern, zudem treten Fragen hinsichtlich der Genauigkeit bei der Protokollierung auf. Schließlich kann das Wissen, dass die Daten für wissenschaftliche Zwecke ausgewertet werden, die Spontaneität beeinträchtigen. Aufgrund dieser Schwierigkeiten bei der Datenerhebung ist die wissenschaftliche Forschung über SMS-Kommunikation im Vergleich zur E-Mail-Kommunikation oder zum Chat noch unterrepräsentiert. Kontrastiv angelegte Studien zum romanisch-deutschen Sprachvergleich, die auf einem Korpus authentischer SMS basieren, liegen m.W. nicht vor.

Privat-informelle SMS erfüllen in erster Linie emotional-affektive, phatische oder handlungs-orientierte Funktionen. Der Beziehungsarbeit zwischen den Kommunikationsteilnehmern kommt dabei ein hoher Stellenwert zu. Dabei sind SMS im Bereich der konzeptionellen Mündlichkeit bei medialer Schriftlichkeit (nach Koch/Oesterreicher) und somit in der nähesprachlichen Kommunikation einzuordnen. Anhand eines Korpus von jeweils 100.000 italienischen und deutschen SMS soll untersucht werden, inwieweit sich die Kommunikationsbedingungen sowie die technischen Rahmenbedingungen (Restriktionen) des Kommunikationsmediums SMS auf die sprachliche Realisierung von positiven und negativen Emotionen in den beiden Einzelsprachen auswirken. Es zeigt sich, dass diese zwischen den Polen der sprachlichen Kreativität einerseits und der Reduktion andererseits oszilliert.

 

Ellen Rutten ( Bergen )

Digital Diasporas: Memory Talk in Russian & Ukrainian Social Media

Rather than in geopolitically confined spaces, digital memory discourse unfolds in the “diasporic” or “transnational” public sphere (Appadurai; Fraser; Benhabib et al.). Nationally defined identities blur especially in Ukrainian and Russian social media – the new-media genre on which this paper homes in. More specifically, my talk scrutinizes discussions about the Soviet past among Russian and Ukrainian social-media users. They not only take us beyond oral and written to novel, digital community types, but they do so while sharing a common past and, to some extent, language. Online, political opponents interact in joint communities, exchanging replies in the same (mostly Russian) language without knowing the other's offline (geographical, political, or linguistic) identity. How does the “diasporic” nature of their online communication affect notions of Ukraine or Russia as nation states? And how does it affect processes of cultural commemoration, remembrance, and mourning?

Existing scholarship of “digital diasporas” (Brinkerhoff; Everett ) takes the concept literally and explores only expatriated communities. According to the central thesis of this scholarship, digital diasporas encourage solidarity and hybrid identities. In my talk I revise the existent concept of digital diaspora. First, I expand it to all web users: when online, each Internet user principally resides in a non-geographically demarcated “digital diaspora.” Second, I question whether the idea of a diasporic solidarity and hybridity holds firm against a novel, more inclusive setting – that of post-Soviet digital space.

Appadurai, Arjun (1996): Modernity at Large: Cultural Dimensions of Globalization , Minneapolis : University of Minnesota Press.
Benhabib, Seyla, et al. (eds.) (2007): Identities, Affiliations, and Allegiances , Cambridge : Cambridge University Press.
Brinkerhoff, Jennifer M. (ed.) (2009): Digital Diasporas: Identity and Transnational Engagement , Cambridge : Cambridge University Press.
Everett, Anna (2009): Digital Diaspora: a Race for Cyberspace , Albany : State University of New York Press.
Fraser, Nancy (2005): „Transnationalizing the Public Sphere“, in: Pensky, Max: Globalizing Critical Theory , Lanham: Rowman & Littlefield, 46–61.

 

Jörg Scheffer / Heidi Werner (Passau)

Distanziert und doch verstanden? Interkulturelle Kommunikation in virtuellen deutsch-amerikanischen Teams der BMW Group.

Im Zuge einer konzernweiten Reorganisation werden seit 2008 sämtliche Bereiche der BMW Group zentralisiert. Eine Vielzahl von Prozessen wird daher nicht mehr von den in- und ausländischen Standorten, sondern von der deutschen Zentrale des Automobilproduzenten aus weltweit gesteuert. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Mitarbeiter in den Niederlassungen rund um die Welt zusammen mit Kollegen in der Konzernzentrale in virtuellen Teams arbeiten. Aus Kostengründen erledigen sie einen Großteil ihrer gemeinsamen Aufgaben mit Hilfe von digitalen Kommunikationstechnologien, statt zu reisen. Dass sie nicht dieselbe Muttersprache sprechen und einen unterschiedlichen kulturellen Background haben, stellt die

Teammitglieder vor besondere Herausforderungen.

Bisher liegen noch keine systematisierten Erkenntnisse darüber vor, welche Schwierigkeiten und Missverständnisse in einer solchen virtuellen und globalen Teamkonstellationen auftreten und wie die Kommunikation und Zusammenarbeit aus interkultureller Sicht optimiert werden kann.

Im Kontext der BWM Group analysiert der Beitrag exemplarisch die Interaktionen zwischen Mitarbeitern in der Konzernzentrale und Mitarbeitern am größten ausländischen Standort USA. Empirisch gestützt gilt es aufzuzeigen, inwiefern sich neben sprachlichen Unterschieden die verschiedenen, kulturell geprägten, Kommunikationsstile auswirken, und welche Medien sich im Hinblick darauf als geeignet erweisen. Darüber hinaus stellt sich die generelle Frage, wie wichtig es bei einer so großen physischen und zeitlichen Entfernung ist, seinen Ansprechpartner persönlich sowie dessen Kommunikationskontext zu kennen, und inwieweit virtuelle Kommunikation face-to-face Meetings letztendlich ersetzen kann. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass vor allem kulturelle Unterschiede, die mit Arbeitsweisen und zwischenmenschlichen Beziehungen zusammenhängen, zum Tragen kommen – und zwar umso mehr, weil die Kommunikationspartner räumlich so weit voneinander entfernt sind und nur selten face-to-face Kontakt haben. Unterschiede im verbalen Kommunikationsstil sind problematischer, weil auf virtuellem Wege visuelle oder andere nonverbalen Zeichen, die den Probanden die Decodierung erleichtern, überhaupt nicht oder schlechter übermittelt werden.

Während Deutsche in den kulturellen Unterschieden die Hauptursache für Missverständnisse und Schwierigkeiten sahen, lag diese aus Sicht der meisten Amerikaner jedoch eher in sprachlichen Problemen. Generell bevorzugten die Befragten aus beiden Ländern Medien mit visuellem Kanal. Teammitglieder, die ihre Kommunikationspartner sehr gut kennen, über sehr gute Fremdsprachenkenntnisse verfügen und Erfahrung in der Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen haben, griffen eher auf arme, symmetrische Medien wie Telefon, die sie grundsätzlich als schwieriger empfinden werden, zurück. Obwohl die webbasierte Lösung den meisten Probanden zufolge sehr effizient ist, hielten diese face-to-face Kontakt für nahezu unverzichtbar.

 

Dirk Uffelmann (Passau)

Gibt es einen russischen Cyberimperialismus gegenüber dem Nahen Ausland?

Der Vortrag bezieht sich auf Ruscianos Konzept von „metrocentric cyberimperialism“ (2001) und stellt die Frage, ob das russische Internet (Runet) als „fünfte Kolonne“ einer aggressiv-expansiven Kulturaußenpolitik der Russischen Föderation herhält oder herhalten könnte. Dabei sind zwei Facetten zu beachten – zum einen die Online-Facetten der Kulturaußenpolitik der Russischen Föderation, insbesondere von Russkij Mir, zum anderen die Attraktivität von Online-Angeboten des russischsprachigen Internets wie ŽŽ (Russian LiveJournal), youtube.ru, rutracker.org etc. für Nutzerinnen und Nutzer von außerhalb der Russischen Föderation, insbesondere im so genannten „Nahen Ausland“.

Rusciano, Frank L. (2001): „The Three Faces of Cyberimperialism“, in: Ebo, Bosah (2001): Cyberimperialism? Global Relations in the New Electronic Frontier , Westport: Praeger, 9–25.
Saunders, Robert A. (2004): „Nacional‘nost': kiberrusskij“, in: Rossija v global'nom kontekste 2/4, 182–192.
Uffelmann, Dirk (2011 – im Druck): „Post-Russian Eurasia and the Proto-Eurasian Usage of the Runet in Kazakhstan : A Plea for a Cyberlinguistic Turn in Area Studies“, in: Journal of Eurasian Studies 4.

 

Daniela Wawra (Passau)

„Merkel monsters multiculturalism“: Webdiskurse zum Multikulturalismus – Australien, Deutschland, Großbritannien, Indien, Kanada und die USA im Medienkulturvergleich

Im Zentrum des Beitrags stehen Formen und Funktionen von Diskursen zum Multikulturalismus in Chatbeiträgen, Diskussionsforen, Blogs, Online-Zeitungen und -Enzyklopädien sowie auf den Homepages von politischen Organisationen und Unternehmen. Teil des Untersuchungskorpus sind jeweils Beiträge zur Multikulturalismusdebatte verschiedener englischsprachiger Kulturen – ausgewählt wurden hier Australien, Großbritannien, Indien, Kanada und die USA – sowie Deutschland in den oben genannten Webgenres. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um das Thema multikulturelle Gesellschaft in Deutschland interessiert der Vergleich mit klassischen Einwanderungsländern bzw. im Falle Indiens mit einem Land mit kolonialer Vergangenheit. Wie stellen sich die verschiedenen Kulturen zu diesem wichtigen Thema und zu dieser zentralen Herausforderung unserer Zeit? Sind die Webdiskurse dazu in ihren Formen und Funktionen eher kulturspezifisch oder transkulturell angelegt?

Ziel der Untersuchung ist es zunächst herauszuarbeiten, welche Definitionen von und welche Einstellungen zu Multikulturalismus es gibt und ob sich diese in den verschiedenen Kulturen unterscheiden. Darüber hinaus sollen die Diskurse auf intertextuelle Einflüsse hin untersucht werden, insbesondere was Reaktionen auf die Aussagen der deutschen Bundeskanzlerin Merkel zum Thema Multikulturalismus in den Webdiskursen der anderen Kulturen betrifft. Zudem wird analysiert, bezüglich welcher Aspekte die Diskurse ggf. eher kulturelle Spezifika ausweisen bzw. transkulturell sind und inwieweit das auf die verschiedenen Webgenres zutrifft. So soll am Beispiel der Multikulturalismusdiskussion ein Beitrag geleistet werden zu der Frage, ob man im World Wide Web kulturspezifische Kommunikationsformen und -funktionen ausmachen kann oder ob der Diskurs hier eher als global gelten kann. Dabei soll noch spezifischer die Frage angeschlossen werden, ob die Kommunikation hier eher kultur- oder genrespezifisch ist bzw. in welchem Ausmaß das ein oder andere der Fall ist und wodurch dies beeinflusst wird. Methodologisch geht der Ansatz von der kritischen Diskursanalyse aus und hier spezifischer von Hallidays systemic functional grammar . So werden der jeweilige situative und kulturelle Kontext – field , tenor und mode of discours e – in die Untersuchung mit einbezogen. Der Terminus Diskurs wird hier dabei so verstanden, dass er sprachliche wie nichtsprachliche Zeichen, Text und Hypertext umfasst. Im Fokus der Analysen steht damit ein multimodales signifying system sowie die Interaktion verschiedener Kommunikationsmodi sowie ihre Einbettung in den weiteren institutionellen und kulturellen Kontext. Grundlegende Kategorien der empirischen Analyse sind (1) topics , (2) argumentation (z.B. topoi , fallacies ), (3) actor/group descriptions , (4) implicitness , presupposition , indirectness , (5) disclaimers , (6) rhetorical devices und (7) intertextuality . So werden die verschiedenen semiotischen Mechanismen evaluativer Konstruktionen ebenso offengelegt wie die zugrunde liegenden Ideologien.

Bednarek, Monika (2006): Evaluation in media discourse , London : Continuum. Halliday, Michael A.K. (1994): An introduction to functional grammar (2nd ed.), London : Edward Arnold.
Hengeveld, Kees / Mackenzie, Lachlan (2006): Functional discourse grammar , Oxford : Elsevier.
Locke, Terry (2004): Critical discourse analysis , London : Continuum.
O'Halloran, Kay (Hg.) (2004): Multimodal discourse analysis , London : Continuum.
van Dijk, Teun A. (2009): Society and discourse: How social contexts influence text and talk , Cambridge : CUP.
Wodak, Ruth / Meyer, Michael (Hg.) (2001): Methods of critical discou